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15.08.2011

Erster Vergleich zwischen Mentor 2 und Rush 3



Hallo Annelie,
Sorry, die Antwort am Startplatz war gestern etwas kurz. Ich hatte bis jetzt selber noch nicht darüber nachgedacht was die Schirme unterscheidet. Die Zeit die ich jetzt mit dem Rush 3 in der Luft verbracht habe, ist relativ kurz und so sind meine Eindrücke noch nicht fundiert. Ich bitte dich deshalb nicht alles auf die Waagschale zu legen. Es sind halt subjektive erste Eindrücke. Um in Ruhe die verschiedensten Eindrücke kombinieren zu können wähle ich die Schriftform.
Eins vorweg. Bei den vielen Gesprächen über den Mentor im Verhältnis zum Factor hatte ich immer die Meinung, dass für einen Factor Piloten der Umstieg auf einen Mentor 2 nicht wirklich eine Änderung bedeutet und sich deshalb auch nicht lohnt. Und das trotz der zahlreichen Verbesserungen die der Mentor 2 aufweist. Ich bin aber der Meinung, dass der Mentor 2 im Vergleich zum Factor die bessere Wahl ist. Deshalb tritt der Rush 3 auch gegen den Factor an, vor allem im Hinblick auf die Verbesserungen die ich mir am Factor wünsche.
Mit dem Rush 3, so scheint es bekomme ich einen zweiten Schirm der in demselben Bereich wie der Mentor 2 fliegt und  ihm somit Konkurrenz macht. Bei teilweise unterschiedlichen Startgewichten lassen sich die Piloten optimaler einhängen. Für beide Schirme gilt: Durch den hohen nutzbaren Endspeed kann der Pilot etwa 10 kg unter der Oberkante fliegen ohne das Beeinträchtigungen in Sicherheit oder Speed erkennbar sind.

Startgewichte:
Rush 3:     55-75  70-90  85-105  100-120   115-130
Mentor 2:   60-80  70-90  80-100   90-110   100-130

Da diese zwei Gleitschirme sehr Hochwertige Flügel sind, beschreibe ich hier Nuancen ihrer Eigenschaften.
Sie sind selbstverständlich subjektiv und natürlich von meiner Art des Fliegens beeinflusst.

Grober Gesamteindruck
Beide Schirme machen einen sehr guten Eindruck wobei der Mentor 2 eher der sanftere ist und der Rush 3 sich doch an Piloten wendet die es verstehen auch einmal den Schirm zu zügeln. Leistungsmäßig definieren beide den oberen Bereich der Klasse und können mit den C Schirme nicht nur mithalten. Für beide Schirme würde ich bescheinigen, dass sie die notwendigen Eigenschaften haben um sie als Flachlandschirme zu definieren.

Aufziehen und Start
Beide Schirme lassen sich einfach nach oben bringen und benötigen wenig Kraft dabei. Beide eignen sich für das Aufziehen ohne A-Gurte, nur mit Körperkraft.
Der Mentor 2 ist eher der Ruhige, er braucht ein wenig mehr Zeit um in die Höhe zu bekommen. Er verzeiht dabei aber oder ignoriert dabei den Seitenwind und steht relativ ruhig im Zenit. Das kleine Ohreneinklappen kann man ruhig ignorieren da daraus kaum eine Richtungsänderung entsteht und er sie meist selber öffnet.
Der Rush 3 ist hier etwas anders. Er will die Zügel des Piloten am Start spüren. Durch seine große projizierte Streckung wirkt er etwas zappeliger. Das wechselnde Einklappen der Ohren kann man aber durch leichtes ziehen der Bremsen unterdrücken. Er will sich aber immer in die Strömung drehen. Dadurch macht er stets den Eindruck unter Druck gehalten werden zu müssen. Sobald er eine Strömung nach oben verspürt hat er den Drang hinaus zu gehen. Gerade hier sollte der Pilot sich aber durchzusetzen wissen. Dann wird diese Eigenschaft ein super Plus für den Schirm, denn wenn da nichts ist, will ich auch nicht raus. Bei Startplätzen wie Jenzig NW und Jenzig S ist das nicht mehr für jeden Piloten empfehlenswert. Wobei ich bei dir hier keine Probleme sehe.
Die Kappe ist sofort bretthart und nimmt den Wind dann sofort an und arbeitet diesen in Höhe um. Dort ähneln sich dann beide Schirme, sie mögen es wenn man sich eher raustragen lässt und ihnen nicht davon läuft.

Start an der Winde
Der Mentor 2 beweist auch hier seine stoische Ruhe. Auf Grund des leichten Tuches kann man ihn auch bei geringsten Windgeschwindigkeiten rückwärts aufziehen und sich gemütlich umdrehen, was ich bei modernen Schirmen für uns als wichtige Voraussetzung sehe. Der Schlepp ist schlicht. Mit einer SK2 brauche ich nur wenig Gewichtskraft und Steuerausschläge um ihn auch bei stärkeren Bedingungen in der Spur zu halten. (Ich glaube aber dass mein Gurtzeug mich dabei stark unterstützt)
Den Rush 3 konnte ich bei wenig Wind noch nicht testen. Bei Starkwind machte er einen sehr guten Eindruck. Der Schirm ließ sich sehr gut, trotz 90° Seitenwind, am Boden handeln, in die Spur führen und immer gut starten. Auch in der Luft blieb er trotz starken Seitenwinds immer in der Spur in der ich gerade fliegen wollte, wobei er sich ein kleines bisschen Richtung Wind dreht. Dies lässt sich aber mit ganz geringer Korrektur verhindern. Hier überzeugte er in seiner Ruhe um die Hochachse. In der großen Größe hatte ich anfangs das Problem mit den anderen bei der Ausklinkhöhe nicht mithalten zu können. Dies habe ich dann durch das Einhängen des Vorbeschleunigers behoben. Bei den anderen Piloten zu denen ich Kontakt aufgenommen habe war dieses Problem in ihren Größen nicht bekannt. Nach den Veränderungen war aber der Erfolg zu sehen. Dieselbe Ausklinkhöhe wie Triton oder U6 die etwa 200 Meter vor mir klinkten, spricht für sich.

Arbeiten in der Luft
Es war mir mit jedem Schirm vergönnt ihn in der Thermik zu fliegen.
Beide Schirme nehmen den Steuerzug sehr gut an wobei der Rush 3 die höheren Steuerkräfte hat. Ich bin sie durch Swing und Factor gewohnt, aber Thomas der ebenfalls den Rush 3 zur Zeit testet hat sich darüber beschwert. Definitiv ist es mir fast nicht gelungen die große Größe ohne Aufschaukeln in die Steilspirale zu bringen weil die Steuerkraft so hoch ist. Vielleicht sollte man mal das Anti G-System testen!
Beide Schirme spielen ihre Stärken in den ersten Zentimetern des Steuerwegs aus.
Im geradeaus Flug (natürlich unter Thermik) wirkt der Mentor 2 um alle Achsen ruhiger. Man kann sogar sagen, dass man beim Mentor 2 eher passiver im Gurtzeug sitzen kann. Auf Grund der Streckung und der flacheren Bauweise ist das Abfallen des Gurtzeuges beim Rush 3 zur Seite wesentlich stärker. Ich habe es dann einfach ignoriert und bin mit Vollspeed weiter geflogen und habe so gleich die Richtung korrigiert. Dies wird natürlich durch meine extreme Breite der Aufhängung am Gurtzeug noch verstärkt. Die lässt sich nicht hundertprozentig auf die anderen Gurtzeuge übertragen. Beide Schirme zeigen frontale Aufwinde aller Art sehr gut an und lassen dabei kein Steigen aus. Bei schwacher Thermik und Null-Schieber zeigt der Rush 3 leichte Vorteile. Hier kommen seine härteren Steuerdrücke und seine flachere Bauweise zur Geltung. Da hebt sich mal das Ohr an einer Stelle wo man es nicht denkt und somit den Arm für ein Achtung. Eindrehen lohnt sich meistens. Beide Schirme lassen sich extrem flach drehen und sind trotzdem sehr wendig. Ohne das wären sie nur für das Alpin tauglich. Bei einem ersten Abgleiten fiel hier der Rush 3 auf. Hier fehlen mir aber noch die optischen Vergleiche in Laucha. Ich hoffe dass ich das noch hin bekomme. Außerdem fehlt mir noch ein Flug in richtig krachender Thermik.

Speed und Endspeed

Beide Schirme verfügen über ein sehr gutes Speedfenster. Hier spielen sie die Stärken gegenüber dem Factor aus. Dort wo einst die Schwäche aller eins bis zweier lag punkten sie total und überhohlen sogar die aktuellen C Schirme. Schon der Mentor 2 hat im beschleunigten Bereich ab 60% den Factor klar geschlagen auch wenn er nicht ganz den Endspeed hatte. So war die Polare deutlich flacher. Was für ein Novum! Wenn die Werte die ich mit meinem Speedsensor erflogen habe stimmen, dann legt der Rush 3 die Latte im Endspeed sogar noch höher.
Beim Wettkampf musste ich gegen 30er Wind in einen Wendesektor. Hier ist ein Kilometer ganz schön weit, wenn man nicht am Boden stehen will. Der Schirm brachte mich hin. Im Vollspeed rollen beide Schirm weniger als der Factor und sind auch bei Turbulenzen sauber zu fliegen. Insgesamt unterscheiden sich hier beide Schirme deutlich. Der Mentor 2 verkauft hier zu jeder Zeit eher den gemütlichen. Der Rush 3 kann sich schon mal mit Rückenwind als Express definieren. Der Zug nach vorn ist deutlicher in allen Bereichen zu spüren. (Ich liebe das!) siehe Landen.
Beim Gleiten in der Luft merkt man was sich die letzten Jahre getan hat. Locker setzen beide Schirme die Höhe in Weg um, auch bei größeren Turbulenzen.

Landen
Das Wesentliche bei beiden Schirmen ist der lange Bereich immer stärker werdenden Sinkens, ohne dass dabei der Schirm abreist. Das heisst man kann sie in aller Ruhe aushungern. Das Sinken nimmt dabei linear auf mehr als 4m/s ohne Strömungsabriss zu. Eine absolut gute Entwicklung der letzten Jahre. Dabei muss man aber vorsichtig sein. Beim wieder Beschleunigen fahren beide Schirme etwas nach unten durch, die Bremsen sind dann zum Ausflaren nicht so schnell wieder aktiv. Man kann beide Schirme dann eigentlich nur ganz wegbremsen.
Beim dynamischen Ausflaren zeigen dann beide Schirme doch etwas Charakter. Der Mentor 2 wieder mit seiner Gemütlichkeit. (Der Factor ist deutlich dynamischer). Der Rush 3 zeigt dort etwas mehr Dynamik. Deutliches nach oben gehen der Kappe und so hat man schnell die Höhe, die man nicht mehr braucht. In dem Zusammenspiel mit der obrigen Eigenschaft hält man ihn einfach und sie setzen einen gemütlich an diesem Ort ab. Ein Abreißen habe ich nicht gespürt. Aber irgendwie macht das mir richtig Spaß. So gelingen Rückenwindlandungen auch in komplizierten Geländen.

Aber vielleicht eine Anekdote von gestern.
Ich wollte gezielt mit Rückenwind auf dem Jägerberg landen, vorne beim Modellerplatz am Weg. Die Höhe ging halbwegs. Einflug gut. Als plötzlich doch noch eine Blase auf der oberen Wiese abging. Der Rush3 beschleunigte sofort und zeigte deutlich das da etwas ist. Ich wollte den Aufwind eigentlich nicht mehr mitnehmen. Der Schirm kaufte mir einfach mit seiner Art den Schneid ab. Trotz geringer Höhe entschloss ich mich zu einer Kurve bevor der Aufwind angreifen konnte. Ich drehte aber eher flach um größeres Sinken und Abtauchen zu vermeiden, da mir die Höhe eigentlich ausgegangen war. Ich war rum und flog immer noch mit guter Höhe nur mit Blick Richtung Tal und der Schirm wollte unbedingt wieder raus. Was ich auch zuließ um einen neuen Anflug durchzuführen.
Welch ein Flachdreher.

Mein Gefühl oder mein Resümee
Beide Schirme eröffnen neue Bereiche des angenehmen Fliegens. Für das Flachland zeigen sie ein deutliches Plus. Ich persönlich liebäugle mehr mit dem Rush 3. Die stärker ausgeprägte Agilität und meine persönlichen positiven Empfindungen lassen mein Herz stärker für den Rush 3 schlagen. Ich könnte mir schon vorstellen dass dieser der Nachfolger des Factors wird. Er hat mich schon sehr begeistert. Ich hoffe dass ich die nächsten Tage noch ein paar Infos sammeln kann.
Leider ist der Factor 2 im Kommen und ich möchte ihm schon eine Chance geben, zu gut waren die vielen Freuden meiner alten Liebe.

Hoffentlich habe ich dich jetzt nicht durcheinander Gebracht!!
Ich möchte mich bedanken dass du mich so schnell zum Nachdenken gebracht hast. Die Eindrücke sind noch frisch aber ich weiß jetzt das ich noch einiges in Erfahrung bringen muss. Vielen dank das ich den Brief veröffentlichen darf.

Stephan Hornung

Pilotenmeinungen zum Mentor2
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